Marktübersicht
Qualitätsmanagement Systeme

Hanna Theuer und Madleen Pahl

Unternehmen stehen einer steigenden Forderung nach einer hohen Produkt- und Prozessqualität gegenüber. Die Gründe hierfür sind diverser Art: Auf einem weltweit agierenden Markt, in dem sich Produkte technisch und designmäßig immer weiter angleichen, dient eine hohe Qualität als wichtiges Differenzierungsmerkmal. Auch die Technisierung und die damit steigende Abhängigkeit von technischen Produkten lässt die Ansprüche an Sicherheit und Zuverlässigkeit steigen. Qualitätsmanagement Systeme bieten Unternehmen die Möglichkeit der Planung, Durchführung und Verfolgung von Qualitätsmaßnahmen. Abweichungen vom Soll-Zustand können zeitnah erkannt, die Ursachen analysiert und notwendigen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Das Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam führte eine Marktrecherche zu „Qualitätsmanagement Systemen“ (QMS) durch. Hierzu wurden zahlreiche Anwender im deutschsprachigen Raum angesprochen. Insgesamt sind Antworten zu 29 Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend in Form einer qualitativen als auch quantitativen Auswertung der Schwerpunktbereiche zusammengefasst.

Funktionsumfang
Die Unternehmen wurden befragt, welche Module bzw. Funktionen in denen von ihnen angebotenen Systemen vorhanden sind. Dabei wurden 18 Möglichkeiten zur Auswahl gestellt. Die Auswahlmöglichkeiten sowie die absolute Anzahl an Nennungen sind in Bild 1 dargestellt. Bei 27 der 29 teilnehmenden Systemen ist die Prüfplanung ein integrierter Bestandteil und damit die am häufigsten genannte Funktion. Danach folgen die Erfassung von Qualitätsdaten (26 Nennungen) sowie die Wareneingangsprüfung. Am seltensten wurden mit jeweils 18 Nennungen das Compliance Management, das integrierte Projektmanagement sowie das Total Quality Management (TQM) genannt. Weitere, von den Unternehmen frei genannte Funktionen sind unter anderem die Fehlermöglichkeits- und -Einflussanalyse (FMEA), eine vorbeugende Instandhaltung, das Maßnahmenmanagement oder die Erstbemusterung. Es ist auffällig, dass die einzelnen Systeme einen hohen Erfüllungsgrad der 18 Funktionen aufweisen. So bieten acht Lösungen alle der abgefragten Möglichkeiten an. Mit 15 der teilnehmenden Systeme bieten mehr als die Hälfte 16 oder mehr Funktionen an.

Prüfplanung
Für das Qualitätsmanagement ist die Planung der durchzuführenden Prüfungen von hoher Bedeutung. Durch eine detaillierte Festlegung können im weiteren Vorgehen die Prüfungen konsequent und einheitlich durchgeführt werden. Auf diese Weise wird die Basis für eine hohe Prüfqualität gelegt. Zur näheren Betrachtung der Prüfplanung wurde nach dem Vorhandensein von sechs Funktionen und Methoden gefragt. Dabei wurden die statistische Versuchplanung DOE, der Erstmusterprüfbericht, die Eignungsprüfung von Prüfmitteln, die FMEA, das Produktionsteilabnahmeverfahren sowie das Quality Function Deployment QFD als Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Der Erstmusterprüfbericht wird von 24 Systemen angeboten und ist damit die am häufigsten genannte Funktion innerhalb der Prüfplanung. DOE und QFD wurden von jeweils nur acht Unternehmen als Bestandteil der von ihnen angebotenen Systeme aufgeführt. Des Weiteren wurden von den Unternehmen unter anderem das Advanced Quality Planning (APQP), die graphische Ablaufplanung für Prüf- und Nacharbeitungsprozesse und Produktionslenkungspläne genannt.

Messdatenerfassung
Für die weitere systemgestützte Verarbeitung der Prüfdaten ist deren Aufnahme ins System unumgänglich. Drei typische Möglichkeiten sind hierfür die manuelle Eingabe der gemessenen Werte über die Betriebsdatenerfassung BDE, das manuelle Messen von Merkmalen mittels digitaler Messgeräte mit einer automatischen Übernahme der Messwerte in das System und das automatische Messen von Merkmalen mittels integrierter Messgeräte inkl. automatischer Übernahme ins System. Alle drei Möglichkeiten werden nahezu von der gleichen Systemanzahl angeboten: während 26 Systeme das automatische Messen ermöglichen, bieten 25 Systeme die beiden anderen Möglichkeiten an. Konkretisiert wurden die Möglichkeiten durch die Unternehmen beispielsweise durch die Verwendung mobiler Datenerfassungsgeräte, Barcode, RFID, Bildverarbeitung und Messmaschinen.

Statistische Versuchsmethoden und -werkzeuge
Wenn eine 100 Prozentprüfung aus technischen oder finanziellen Gründen nicht möglich ist, bedient sich das Qualitätsmanagement in der Regel statistischer Hilfe. Bild 2 stellt 14 statistische Versuchsmethoden und die absolute Anzahl der Systeme in deren Funktionsumfang dar. Die Stichprobenanalyse sowie die Statistische Prozesskontrolle SPC wurden am häufigsten genannt. Sie werden von jeweils 24 Systemen angeboten. Die Prozess- bzw. die Maschinenfähigkeitsanalyse befinden sich im Funktionsumfang von 22 bzw. 21 Systemen. Nur zwei Systeme bieten das Design of Experiments nach Shainin bzw. Taguchi an. In diesem Bereich wird eine große Varianz im Leistungsspektrum der Systeme ersichtlich. Zwei Systeme bieten alle 14, zwei weitere 12 Versuchsmethoden an. 20 der 29 teilnehmenden Systeme haben sieben oder weniger der aufgeführten Methoden in ihrem Portfolio.

Graphische Auswertung
Graphische Auswertungen der Messergebnisse bieten eine gute Übersichtlichkeit, dienen als Basis für die weitere Entscheidungsfindung und fungieren zudem als Diskussionsbasis. Mögliche Auswertungen sind Qualitätsregelkarten, Histogramme, Paretodiagramme, Korrelations- bzw. Streudiagramme, Flußdiagramme, Ishikawa-Diagramme, Matrixdatenanalysen, Matrixdiagramme, Fehlerbaumanalysen, Netzpläne sowie Problem-Entscheidungspläne. Qualitätsregelkarten und Histogramme sind mit jeweils 23 Nennungen die beiden graphischen Auswertungsmöglichkeiten, die von den meisten der an dieser Recherche teilnehmenden Unternehmen angeboten werden. Der Problementscheidungsplan ist mit nur vier Nennungen Bestandteil der wenigsten Systeme. Rund die Hälfte aller teilnehmenden Systeme bieten dabei sechs oder mehr der genannten Auswertungsformen an. Fehlersammelkarten und Fehlerverteilungen in 2D oder 3D sind weitere von den Unternehmen frei genannte Auswertungsmöglichkeiten.


Bild 1: Absolute Anzahl der Nennung der Funktionen der Qualitätsmanagement Systeme

Anbindung von Messmitteln
Für die Messdatenerfassung verwendeten Messmittel müssen per Schnittstelle an das System angeschlossen werden. Typische Schnittstellen sind dabei USB, LAN, PCI, Ethernet, ISA, PC/104, CAN sowie serielle Schnittstellen. Jeweils 23 Systeme ermöglichen die Verwendung von USB und serieller Schnittstelle, jeweils 21 LAN und Ethernet. Einige weitere frei genannte Schnittstellen sind OPC-UA, -DA und -AE, Datei-Interfaces, Filetransfer und Datenbankschnittstellen.

Darstellung des Problemlösungsprozesses
Im Qualitätsmanagement ist eine konsequente Verfolgung der Problemlösungsprozesse unabdingbar. Die an der Recherche teilnehmenden Systeme bieten dazu unterschiedliche Vorgehensweisen und unterstützende Funktionalitäten an. So sind beispielsweise unterschiedliche Datenquellen miteinander verknüpft, um auf diese Weise Zusammengänge und Wiederholfehler besser analysieren zu können und die Ergebnisqualität zu erhöhen. Durch graphische Visualisierung und flexible Auswertungen wird die Transparenz erhöht. Wirksamkeitsverfolgungen hinterlegter Maßnahmen, Revisionskontrollen oder automatisierte Konformitätserklärungen sind weitere Funktionen, welche im Bereich des Problemlösungsprozesses von den Systemen zur Verfügung gestellt werden.


Berücksichtigung von Fehlern

Für einen zielgerichteten Umgang mit Fehlern bieten die Systeme unterschiedliche Funkti- onen an. So besteht beispielsweise die Möglichkeit der Identifikation von Fehlerschwerpunkten durch eine permanente Berechnung und Anzeige der Top10-Fehler ermöglicht. Auch Pareto-Analysen ermöglichen die Identifikation der Fehler, die die größte Bedeutung haben. Zudem wird teilweise die Identifikation von Problembereichen und Ausreißern ermöglicht. Fehler können durch den Abgleich von Messpunkte im Regelwerk mit Regeln identifiziert werden. Dabei hat die konsequente und durchgängige Datenerfassung eine hohe Bedeutung inne. Wurde ein Fehler bemerkt, bieten einige Systeme die Möglichkeit der automatischen, workflow-basierten Benachrichtigung von Verantwortlichen oder auch eine zeitnahe und effiziente Kommunikation mittels eines Reklamationsworkflows. Statistische Berechnungen, 4D- und 8D-Report, graphische Aufbereitungen oder manuelle OLAP-Analysen sind Beispiele für der von den teilnehmenden Systemen angebotenen Fehlerursachenanalyse.

Lieferantenbewertung
Für eine Bewertung der Lieferanten stehen in den teilnehmenden Systemen unterschiedliche Ansätze und Kennwerte zur Verfügung. So werden beispielsweise gängige, messbare Kennzahlen, wie Lieferfähigkeit, Liefertreue, Termintreue, Qualität oder Reklamationshäufigkeit zur Verfügung gestellt. Weiterhin können weiche, subjektive Faktoren, wie beispielsweise Kommunikation oder Innovation zur Hilfe gezogen werden. Die Systeme verknüpfen dabei Daten aus unterschiedlichen Bereichen. Teilweise besteht zudem die Möglichkeit der Definition kundenindividueller und der Gewichtungen der verschiedenen Kennwerte. Einige Systeme ermöglichen dem Lieferanten die Möglichkeit der Einsicht und die Mitteilung der Kennwerte an den Lieferanten per E-Mail.


Bild 2: Absolute Anzahl der Nennung vorhandener statistischer Versuchsmethoden und -werkzeuge

 

Reklamationsmanagement
Das Reklamationsmanagement wird von Systemen unterschiedlich umgesetzt. Neben der vollständigen Integration ins System oder der Einbindung ins Regelwerk sind auch ein produktbezogenes Vorgehen nach der Kundenerfahrung oder die freie Erfassung von Kundenreklamationen genannt worden. Dabei besteht teilweise die Möglichkeit auf das Schließen von Rückschlüssen auf Basis statistischer Regeln, die Verknüpfung zur FMEA, die Verwendung von 5D- und 8D-Reports.

Berücksichtigung von Normänderungen
Um immer auf dem aktuellsten Stand relevanter Normanforderungen zu sein, ist es notwendig, dass Normänderungen ins Systemen übernommen und dort zeitnah angewendet werden können. Die teilnehmenden Unternehmen bieten dafür unterschiedliche Verfahren an. Die Änderungen und Aktualisierungen werden beispielsweise durch Updates, Upgrades, Releases oder Datenbankaktualisierungen eingespielt. Teilweise besteht auch die Möglichkeit zur manuellen Eingabe, so dass die Verantwortung bei dem Nutzer liegt. Weiterhin besteht in einigen Systemen die Möglichkeit zur Anzeige von Änderungshistorien.
 

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Schlüsselwörter:

​Qualitätsmanagement Systeme, Markt- überblick, Qualität, Messmittel, Reklamationsmanagement, Lieferantenbewertung, Fehlerschwerpunkte, Probemlösungsprozess