Marktüberblick Termintreue

Hanna Theuer

Eine hohe Termintreue ist in vielen produzierenden Unternehmen ein wesentlicher Kennwert zur Bewertung der internen Prozesse. Kunden erwarten neben einer schnellen und individuellen Herstellung von Produkten – gerade in Zeiten von Just in Time und Just in Sequence – ihre Lieferung zum zugesagten Zeitpunkt. Daher ist eine entsprechende Prozessgestaltung für den Unternehmenserfolg notwendig. Fertigungsnahe Unternehmenssoftware kann bei der Erreichung einer hohen Termintreue helfen.

Das Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam führte eine Marktrecherche zu „Termintreue“ durch. Hierzu wurden zahlreiche Anwender im deutschsprachigen Raum angesprochen. Insgesamt sind Antworten zu 29 Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend ausgewertet und zu Schwerpunktbereichen zusammengefasst.

Die Kennzahl Termintreue ist als Verhältnis der pünktlichen Lieferungen zur Gesamtanzahl der Lieferungen definiert. Selbstverständlich ist sie von zahlreichen anderen Kennwerten abhängig. Eine konstante Durchlaufzeit ermöglicht beispielsweise gute Vorhersagen, eine geringe Fehlerquote sowie Maschinenausfallquoten verringern das Risiko ungeplanter Verzögerungen durch resultierenden Mehraufwand. Dabei ist es eine strategische Aufgabe ein entsprechendes Kennzahlensystem aufzustellen, da einzelne Kennzahlen sich sowohl positiv beeinflussen als auch in einem konfliktionären Verhältnis im Gesamtsystem stehen. So kann eine kurze Durchlaufzeit die Termintreue erhöhen. Wenn die kurze Durchlaufzeit jedoch mit einem hohen finanziellen Aufwand erkauft wurde, ist der resultierende Nutzen dem notwendigen Aufwand gegenüberzustellen. Mithilfe von Fertigungssoftware kann die Termintreue erhöht werden.


Bild 1: Allgemeine Maßnahmen zur Verbesserung der Termintreue


Allgemeine Maßnahmen

Die Verringerung von ungeplanten Maschinen- und Anlagenstillständen und Rückständen in der Produktion, die Reduzierung von Rüst- und Bearbeitungszeiten, von Umlaufbeständen und langer Durchlaufzeiten sowie die Verkleinerung von Losgrößen sind einige Möglichkeiten, wodurch eine Steigerung der Termintreue erreicht werden kann. Bild 1 zeigt, dass die meisten der genannten Maßnahmen von nahezu allen teilnehmenden Systemen unterstützt werden. Nur die Verkleinerung von Losgrößen und die Reduzierung von Umlaufbeständen werden bei lediglich rund 2/3 der Systeme berücksichtigt. 


Betriebsdatenerfassung

Die Erfassung von Ist-Daten über Zustände und Prozesse in Betrieben wird unter dem Begriff Betriebsdatenerfassung zusammengefasst. Dies können neben technischen Betriebsdaten, zu denen Maschinen- und Prozessdaten gehören, auch organisatorische Betriebsdaten sein (bspw. Auftrags- und Personaldaten). Auch hier zeigt sich, dass die teilnehmenden Systeme einen hohen Erfüllungsgrad der abgefragten Funktionen aufweisen. So werden die Überwachung des Auftragsfortschrittes für eine Feinplanung auf Basis der aktuellen Situation und die Online-Erfassung des Auftragsfortschrittes von allen 29 teilnehmenden Systemen ermöglicht. Die Messung der Durchlaufzeit und des Auftragrückstands bieten 27 bzw. 28 Lösungen an. Die am seltensten genannte Funktion in diesem Bereich ist die Überwachung des Auftragsfortschrittes für die Sicherstellung, dass nur machbare Fertigungsaufträge erzeugt werden, wobei auch hier noch über 80 % der Systeme eine entsprechende Möglichkeit anbieten. Dies zeigt, dass diese Funktion durchaus eine hohe Relevanz hat.


Maschinendatenerfassung

Maschinendaten können in Prozess- und Produktdaten unterteilt werden. Grundsätzlich werden mit dem Begriff alle in einer industriellen Maschine anfallenden Daten zusammengefasst. Daten aus der Maschinendatenerfassung können sowohl direkt in die Maschinenregelung einfließen als auch als Datenquelle für die Betriebsdatenerfassung herangezogen werden. Dabei bilden sie eine wichtige Schnittstelle zwischen der Informationsverarbeitung und der Produktionstechnik. Allgemeine Ziele der Maschinendatenerfassung sind die Analyse von Fertigungsprozessen und eine darauf basierende Optimierung der Maschinenlaufzeiten und Maschinenstillstände. Für die Termintreue sind zudem insbesondere die Überwachung des Maschinenstatus für eine Feinplanung auf Basis der aktuellen Fertigungssituation, die Überwachung des Maschinenstatus für die Sicherstellung, dass nur machbare Fertigungsaufträge erzeugt werden sowie die Erkennung und Beseitigung von Terminkonflikten durch die Verwendung von Meisterchecklisten relevant. Die letztgenannte Funktion ist die in diesem Marktüberblick am seltensten genannte. Sie wurde nur von 17 Systemen als im Systemumfang vorhanden aufgeführt. 


Bild 2: Möglichkeiten des Leitstandes zur Verbesserung der Termintreue


Leitstand

Die Aufgabe von Leitständen ist die Feinplanung von Arbeitsgängen der Produktionsprozesse. Sie verfeinern aufbauend auf den Informationen der Betriebsdatenerfassung die Planungsergebnisse von ERP-Systemen. Ein wesentliches Merkmal von Leitständen ist die Möglichkeit der graphischen Darstellung und Planung von Prozessdaten. Bild 2 führt ausgewählte graphische Möglichkeiten sowie die Anzahl der Systeme, die diese ermöglichen, auf.


Feinplanung auf Basis der aktuellen Fertigungssituation 
Im Rahmen der Umfrage zur Erstellung des Marktüberblicks wurden die Anbieter gebeten zu beschreiben, wie mit ihrer Lösung eine Feinplanung auf Basis der aktuellen Fertigungssituation möglich ist. Nachfolgend ist eine zusammenfassende Auswahl der Antworten zu finden. Eine von mehreren Unternehmen angegebene Möglichkeit für die Feinplanung von Produktionsprozessen ist die Simulation. Diese kann auf Basis unterschiedlicher Eingangsdaten, wie unter anderem der Rüstmatrizen, Maschinenausfällen, Personalausfällen, Qualifikationsprofilen, Kapazitäten und Prioritäten, alternative Szenarien simulieren und bewerten. Die Ergebnisse werden dabei teilweise graphisch dargestellt und ermöglichen eine flexible Reaktion auf ungeplante Ereignisse. Weiter ermöglichen (graphische) Warnungen bei der Abweichung vorgegebener Sollwerte das schnelle Eingreifen in den Prozess. Durch laufende Aktualisierungen und Berechnungen der Auftragsdaten – auch mit einer Integration ins übergeordnete ERP-System – wird die Berücksichtigung des tatsächlichen Status gewährleistet. 


Trends im Bereich Verbesserung der Termintreue

Die Anbieter wurden weiter gebeten, eine Einschätzung der allgemeinen Trends sowie konkreter Softwareentwicklungen im Bereich der Termintreue in den kommenden drei Jahren zu geben. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass der Konsens deutlich auf einer auch mit anderen Bereichen umfassend vernetzen Produktion liegt, in der durch die Verwendung zahlreicher Sensoren Daten in Echtzeit aufgenommen und ausgewertet werden können. Diese Auswertungen ermöglichen einen Erkenntnisgewinn, der beispielsweise direkt in Prozessanpassungen oder weiterführende Simulationen fließen kann. Hierdurch wird die Dynamik gesteigert und gleichzeitig die Termintreue verbessert. Weiterhin wird es vermehrt die Möglichkeit geben, dass über mobile Geräte neben aktuellen Statusberichten auch frühzeitige Warnungen versendet werden können. 

Ende 2012 wurde bereits ein Marktüberblick zur gleichen Thematik durchgeführt [1]. Hier wurden als Trends insbesondere die Vernetzung von verschiedenen, am Wertschöpfungsprozess beteiligten Unternehmen mit dem Ziel einer Transparenzsteigerung sowie die Nutzung mobiler Apps für den Abruf aktueller Prozessinformationen genannt. 

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Schlüsselwörter:

Marktüberblick, Termintreue, Fertigungssoftware, MES, Trends