Serienprodukte ganz individuell

Hanna Theuer

Die Serienfertigung ist der Produktionstyp, der in der industriellen Praxis am häufigsten auftritt. Sie ist durch die gleichzeitige bzw. unmittelbar aufeinander folgende Herstellung gleichartiger Produkte in einer großen, aber begrenzten Anzahl gekennzeichnet. Ein wesentliches Ziel ist die Nutzung von Wiederholungs- und Skaleneffekten zur Erreichung von Produktivitätssteigerungen und Kostenersparnissen.

Die Grenze der Serienfertigung zu anderen angrenzenden Produktionstypen wie der wiederholten Einzel-, der Sorten- oder der Massenfertigung ist dabei nicht fest definierbar, sondern auch von der Art des herzustellenden Produktes abhängig. So dürfte auch bei einigen 1000 Schrauben noch von Serienfertigung gesprochen werden, während einige 1000 Möbelstücke schon als Massenfertigung angesehen werden. Die Serienfertigung selbst kann zudem auch noch klassifiziert werden: unterschieden wird dabei zwischen Einzel- und Kleinserienfertigung, Mittelserienfertigung und Großserienfertigung. Typische Industrien, welche in Serie produzieren, sind die Automobil- und Automobilzuliefererindustrie, der Standardmaschinen- und Apparatebau, die Möbelindustrie, die Pharmaindustrie und die Modeindustrie.
Produkte, die in Serienfertigung hergestellt wurden, setzen sich in der Regel aus einer größeren Anzahl von Vorprodukten, Materialien und fremdgefertigten Komponenten zusammen. Für die Produktion durchlaufen diese Teile eine definierte Folge von Bearbeitungs- und Montagearbeitsgängen, welche in der Regel in einen stark vernetzten Materialfluss resultieren. Die Verknüpfung mehrerer Produktionsstandorte, die Einbeziehung von Lieferanten und weitere Anforderungen wie beispielsweise einer geringen Lagerhaltung durch Just In Time- bzw. Just In Sequence-Produktion erhöhen zusätzlich die ohnehin schon hohen Logistikanforderungen. Der Einsatz von IT-Systemen sowie spezielle Managementansätze finden hier Anwendung, um den Komplexitätsanforderungen gerecht zu werden.
In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen der Kunden verändert. Sie geben sich oftmals nicht mehr mit den Resultaten aus einer reinen Serienproduktion zufrieden, bei der ein Produkt dem anderen gleicht. Vielmehr verlangen sie individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Mass Customization hat an Bedeutung gewonnen. Auf diese neuen Anforderungen müssen natürlich auch die produzierenden Unternehmen reagieren und ihre Prozesse entsprechend anpassen. Die Nutzung der eigentlichen Vorteile der Serienproduktion (Wiederholungs- und Skaleneffekte zur Erreichung von Produktivitätssteigerungen und Kostenersparnissen) ist dabei gefährdet.
Für die Kombination der Vorteile der Serienfertigung und der Individualität können unterschiedliche Methoden verwendet werden. Ein gemeinsames Ziel ist dabei die Komplexitätsreduzierung. Modularität, Baukastensysteme sind mögliche Produktionsformen, die hier Unterstützung bieten. Aber auch die Konzeption einer Produktion, bei der der Kundenentkopplungspunkt möglichst weit hinten im Wertstrom angesiedelt ist, ermöglicht Individualität trotz Serie. Hier wird eine kundenneutrale Vorfertigung und eine kundenspezifische Endmontage vorgenommen – die Individualisierung beschränkt sich dabei auf die tatsächlich vom Kunden wahrgenommenen Differenzierungsmerkmale.
Letztendlich ist es eine große Herausforderung für Unternehmen den richtigen Mix zwischen Serie und Individualität zu finden – zuviel Individualität treibt die Komplexität und Kosten überproportional in die Höhe, zuwenig Komplexität birgt die Gefahr, dass Kunden verloren gehen. Eine der großen Herausforderungen der Fabrik der Zukunft ist demnach immer noch die aufwandsarme Herstellung individueller Produkte. Moderne „intelligente“ Ansätze – unter anderem im Bereich der Industrie 4.0 – bergen hier vielversprechende Potenziale.