Marktüberblick: Schlanke MES

Hanna Theuer

Die schlanke Gestaltung von Produktionsprozessen und die daraus resultierende Minimierung von Verschwendung birgt zahlreiche Potenziale, insbesondere durch die Verbesserung von Abläufen, die Steigerung von Qualität und Transparenz sowie die Reduzierung von Kosten. Während bei der Umsetzung schlanker Prozesse ursprünglich keine IT-Unterstützung vorgesehen war, ergeben sich heute durch die Kombination von Ansätzen der schlanken Produktion mit produktionsnahen IT-Lösungen vielversprechende Chancen.

Das Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam hat zahlreiche MES-Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum zu Ihrem Funktionsumfang sowie den Möglichkeiten, welche die Systeme im Bereich der schlanken Produktion bieten, befragt. Die Anbieter wurden gebeten, Angaben zu den von ihrem System erfüllten MES-Aufgaben, -Geschäftsprozessen und deren Teilprozessen zu machen. Weiter wurden Sie um die Angabe im System verfügbarer MES- und Lean-relevanter Kennzahlen gebeten. Ergänzend konnten Angaben zur Abtaktung von Arbeitsprozessen, Förderung von Just-In-Time und Minimierung von Lagerbeständen gemacht werden. Insgesamt sind Antworten zu 39 Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend ausgewertet und zu Schwerpunktbereichen zusammengefasst. 


MES-Aufgaben und Geschäftsprozesse

Der Vergleich zeigt, dass die Datenerfassung sowie das Informationsmanagement die beiden MES-Aufgaben sind, die von den meisten der teilnehmenden Systeme angeboten werden (37 bzw. 34 Nennungen). Das Personalmanagement ist mit 28 Nennungen die am seltensten genannte MES-Aufgabe. Der Geschäftsprozess Produktion wird von allen teilnehmenden Systemen unterstützt, die Arbeitsvorbereitung von 37. Mit 22 Nennungen werden Transporte am seltensten genannt. 


Schlanke Produktion

Die Analyse der durch die Systeme berücksichtbaren Verlustarten zeigt, dass noch deutliche Potenziale hinsichtlich der schlanken Produktion bestehen. Zwar bieten 35 der 39 teilnehmenden Systeme die Möglichkeit die Anzahl der fehlerhaften Teile und 30 auftretende Wartezeiten zu analysieren, jedoch können nur knapp die Hälfte der Lösungen eine überhöhte Lagerhaltung analysieren. Da in der schlanken Produktion die Lagerhaltung eine wesentliche Verlustart darstellt, die zudem andere Probleme überdecken kann, kann in der systemseitigen Betrachtung ein erheblicher Mehrwert liegen. Unnötige Transporte, welche in einer zusätzlichen Bindung von Personenressourcen resultieren, können von zwölf Lösungen analysiert werden. 

Die Analyse der Lean-relevanten Kennzahlen, die die Lösungen bereitstellen können, ergibt ein ähnliches Bild. Eine Auswertung des Lean Index, der das Verhältnis zwischen wertschöpfender Zeit zur gesamten Durchlaufzeit angibt und die Schlüsselkennzahl der schlanken Produktion ist, wird von einem Drittel der an dem Marktüberblick teilnehmenden MES-Lösungen ermöglicht. Allgemeinere Prozesskennzahlen, wie beispielsweise Durchlauf- und Rüstzeiten sowie Qualitätsraten und OEE, werden von wesentlich mehr Lösungen zur Verfügung gestellt. 


Chancen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass MES umfangreiche Funktionen und Auswertungsmöglichkeiten in der Produktion haben. Eine Fokussierung auf die schlanke Produktion ist ansatzweise erkennbar. Ein Potenzial liegt in der Umsetzung spezifischen Anforderungen der schlanken Produktion, um Unternehmen bei der Reduzierung von Verschwendung in der Produktion zu unterstützen. 

 

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Schlüsselwörter:

Marktüberblick, Manufacturing Execution System, MES, Schanke Produktion, Kennzahlen, Verschwendung