Management technischer Capability
Ein mehrstufiges Planungsverfahren für Instandhaltungsdienstleister

Wolfgang Kersten, Markus Klotzbach und Moritz Petersen, TU Hamburg-Harburg

Eine erhöhte Wettbewerbsdynamik stellt unabhängige Instandhaltungsdienstleister bei der Planung ihrer Ressourcen und Fähigkeiten vor Herausforderungen. Im vorliegenden Beitrag wird eine Methode vorgestellt, die diese Unternehmen beim Management ihres Capabilityportfolios unterstützt. Kern der Methode ist eine modular aufgebaute, portfoliobasierte Bewertungssystematik. Diese analysiert unter Nutzung qualitativer und quantitativer Informationen die Zukunftsfähigkeit erforderlicher Ressourcen- und Fähigkeitsbündel. Mithilfe der Methode werden Capability- und Technologieplaner befähigt, konkrete Handlungsempfehlungen zum Capabilityaufbau abzuleiten.

Bei der Aufrechterhaltung moderner Produktions- und Leistungssysteme nehmen herstellerunabhängige Instandhaltungsdienstleister eine zunehmend wichtigere Rolle ein [1]. Dabei handelt es sich um Unternehmen, deren Unternehmenszweck die Bereitstellung von Instandhaltungsdienstleistungen ist und die gleichzeitig nicht Hersteller des Instandhaltungsobjekts sind. Die Entwicklung entsprechender Dienstleistungen ist aufgrund ihrer Integrativität immer direkt vom instand zu haltenden Objekt abhängig. Auch kann die Entwicklung der Dienstleistungen zeitlich erst nach Ermittlung der technischen Spezifikationen des Objekts erfolgen. Aus diesem Grund ist die Planungssituation herstellerunabhängiger Instandhaltungsdienstleister im Vergleich zu produzierenden Unternehmen durch höhere Unsicherheit geprägt. Gleichzeitig sind die unabhängigen Dienstleister auf technische Informationen der Hersteller angewiesen. Aufgrund eigener Ambitionen im After-Sales-Geschäft gehen Hersteller bei der Weitergabe derartiger Informationen zunehmend restriktiv vor [2]. Dieser Umstand und der beschleunigte technische Fortschritt führen zu dynamischen Anforderungen an die Ressourcen und Fähigkeiten von Dienstleistungsbetrieben. Somit stellt die frühzeitige Identifikation von technologischen Trends und deren Projektion auf die intern vorhandene technische Capability einen Erfolgsfaktor dar. Insbesondere herstellerunabhängige Instandhaltungsbetriebe müssen daher über praxisorientierte Methoden verfügen, die sie in die Lage versetzen, ihre internen Ressourcen und Fähigkeiten kontinuierlich auf sich ändernde Rahmenbedingungen abzustimmen. 


Technische Capability in der Instandhaltung

Technische Capability wird im Folgenden als System aus Potenzialfaktoren sowie individuellen und organisationalen Fähigkeiten verstanden. Die Potenzialfaktoren umfassen sowohl materielle (z. B. Maschinen und Anlagen, qualifizierte Mitarbeiter) als auch immaterielle Ressourcen (z. B. Intellectual Property und Lizenzen). Zu den individuellen Fähigkeiten werden unter anderem die Fertigkeiten und die Motivation der Mitarbeiter gezählt. Unter dem Begriff der organisationalen Fähigkeiten werden unter anderem die Beherrschung der Prozesskomplexität und die Implementierung eines bereichsübergreifenden Wissenstransfers subsummiert. 

 


Bild 1: Struktur der integrierten Bewertungsmethode [3].

Um ihr Capability-Portfolio auf Technologietrends und somit zukünftige Anforderungen der Kunden einzustellen, müssen herstellerunabhängige Instandhaltungsdienstleister zunächst überprüfen, ob die zur Leistungserstellung erforderlichen Potenzialfaktoren (z. B. neue Testapparaturen oder veränderte Qualifikationsprofile der Mitarbeiter) intern vorhanden oder entwickelbar sind. Infolgedessen liegt der Fokus des vorliegenden Beitrags auf der Bewertung erforderlicher Potenzialfaktoren unter Einbeziehung der Interaktionseffekte mit individuellen und organisationalen Fähigkeiten. Ein technischer Instandhaltungsbetrieb ist dann zur internen Erbringung einer Leistung in der Lage, wenn er die drei skizzierten Elemente einer Capability beherrscht. 

Die im Folgenden vorgestellte Methode unterstützt technische Servicebetriebe bei der Planung und Steuerung ihres Capabilityportfolios [3]. Dazu werden sowohl Aktivitäten der technologiestrategischen Früherkennung als auch qualitative und quantitative Bewertungsverfahren zu einem integrierten Ansatz kombiniert. 

Die Methode umfasst einen mehrstufigen, modularen Bewertungsansatz (Bild 1). Im Rahmen des Moduls A werden zunächst technologische Trends identifiziert und hinsichtlich ihrer Relevanz für das Capabilityportfolio analysiert. Anschließend erfolgt die Definition erforderlicher Capability. Diese Bündel von technischen Ressourcen und Fähigkeiten werden in den Modulen B und C parallel einer Bewertung unterzogen. In Abhängigkeit des Planungshorizonts und der Qualität der zur Verfügung stehenden Informationen erfolgt die Bewertung durch die Kombination qualitativer und quantitativer Verfahren. Alle Bewertungsergebnisse werden schließlich zu einer Entscheidung über die Vorteilhaftigkeit des internen Capabilityaufbaus zusammengeführt.

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