GEOFAB BRINGT GEODATEN VORAN

Submitted by N.Gronau on Tue, 11/28/2017 - 12:27

Auf äußerst reges Interesse stieß die Ankündigung stieß die Ankündigung des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Digitale Gesellschaft an der Universität Potsdam, mit einem weitgespannten Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft die Nutzung von Geodaten in Unternehmen voranzubringen. Knapp 200 Interessensbekundungen hatte es bereits vor der ersten Informationsveranstaltung im November gegeben. Die Zahl der Anmeldungen war so groß, dass die Veranstaltung von einem Seminarraum in einen Hörsaal umziehen musste.

GeoFab, so der Projektname, hat das Ziel, raumbezogene Informationen in bestehende betriebswirtschaftliche Prozesse einzubinden. Bislang, so erläuterte Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik und Prozesse, seien Unternehmenslösungen für Enterprise Resource Planning (ERP) oder Manufacturing Execution (MES) nicht auf die Aufnahme solcher Daten vorbereitet, geschweige denn in der Lage, mit ihnen Berechnungen anzustellen. Klassische ERP-Funktionen gingen von einem quasi unbeweglichen Unternehmen aus.
Das Gegenteil sei jedoch der Fall, ohne dass in zentralen Systemen für dafür Vorkehrungen getroffen sin. So könnte gerade bei mobilen Maschinen wie etwa Roboter, der Standort dieser Ressource ebenso wechseln, wie bei Werkstücken und Produkten, die im Fabrikgelände an unterschiedlichen Orten weiterverarbeitet würden. Und gerade in der Logistik ist die Mobilität von Waren Kern der Operationen. Auch der aktuelle Standort von Mitarbeitern wäre eine denkbare Geoinformation, die für die Steuerung von Unternehmensprozessen herangezogen werden könnten – allerdings gebe es bei personenbezogenen Daten durchaus auch datenschutzrechtliche und betriebsrechtliche Bedenken.
Zwar hat die Wertschöpfungskette aus Logistik, Fertigung und Vertrieb schon heute eine „gewisse Intelligenz“ bezogen auf Raumdaten, die Informationen blieben aber zumeist in Spezialanwendungen isoliert und lägen nicht für alle Geschäftsprozesse vor. Als Beispiel nannte Gronau die heute übliche Praxis bei Rückrufen, wo ganze Lose oder Chargen wegen eines Fehlers zurückgerufen und vernichtet werden müssten. Neben diesen Kosten durch Produktionsausfall seien Folgekosten durch eine anstehende hundertprozentige Qualitätsprüfung anstelle der bisherigen Stichprobenprüfung zu berücksichtigen. Hier bestehe enormes Potenzial für autonome Entscheidungen, die durch die Einbindung statischer und dynamischer Geoinformationen in Prozesse und Informationssysteme ermöglicht werden könnten.
Standortinformationen fallen auch bei der Verfügbarkeitsprüfung von Material und Mitarbeitern an. Damit führen Geoinformationen zu einer Vorstufe bei der Verwirklichung des Konzepts „Industrie 4.0“. Verbesserte Auffindbarkeit von Material und Werkzeug, Verkürzung von Transportzeiten, eine erhöhte Transparenz über die verfügbaren Unternehmensressourcen sowie präzisere und realitätsnähere Produktionsplanungs- und –steuerungsmethoden, die schließlich auch zu einer präziseren Ausrichtung an Kundenbedarfen führe, seien die Vorteile, die sich GeoFab von den Forschungsanstrengungen erhofft, die in dem zu gründenden Netzwerk vorangetrieben werden sollen.
Dabei geht es um die Beantwortung grundsätzlicher Forschungsfragen, wie etwa die Erkundung des richtigen beziehungsweise idealen Einsatzgrades von Geoinformationen. Die Einschätzung der notwendigen Granularität ist Voraussetzung für einen effizienten Einsatz unter der Fragestellung: Wie viel und welche Geodaten in welcher zeitlichen und räumlichen Dichte sind nötig, um den erwarteten Erfolg herbeizuführen? Untersucht werden sollen auch die möglichen Potenziale für völlig neue Geschäftsmodelle zum Beispiel durch die Integration von Geodaten in fertigen Produkten. Und schließlich sollen auch die organisatorischen und betrieblichen Aspekte Berücksichtigung finden.
GeoFab soll in enger Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Wirtschaftsinformatik und Digitale Gesellschaft sowie der Förderagentur Geokomm entstehen. Eingeladen sind vor allem Anbieter und Anwender mit konkreten Projekten, die förderungswürdig sind und einen konkreten Anwendungshintergrund mit darstellbarem Nutzenpotenzial vorweisen können. Damit sind reine Grundlagenforschungen ausgeschlossen, während der Praxisbezug im Vordergrund steht.
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.lswi.de/geofab oder stehen zum Download unter https://lswi.de/homepage/potsdam.nsf/0/2C0B7F83B026FA40C12581D30042934F/$FILE/Infopaper_GeoFab.pdf zur Verfügung. Wer sich im Netzwerk engagieren möchte kann sich direkt an Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau unter norbert.gronau@wi.uni-potsdam.de wenden.