Erfolgreicher ERP-Einsatz bei Lean Produktion
Eine Betrachtung der Kundenseite

Martin Adam und Franziska Grätz

Benötigt eine nach den Lean Prinzipien gestaltete Produktion überhaupt IT-Unterstützung und wenn ja, wobei? Diese Frage erscheint in Zeiten voranschreitender Digitalisierung als rückwärtsgewandt. Dennoch wird sie nicht nur in der Literatur diskutiert, es gibt kaum ein Lean Projekt in dem dazu nicht gegensätzlich Meinungen aufeinanderprallen. Dieses Spannungsfeld ist der Anlass mehrerer Studien, um Faktoren zu identifizieren, die den Einsatz von ERP in der schlanken Produktion begünstigen oder hemmen.

Lean mit oder ohne IT?
Lean Management, im Folgenden vereinfacht mit dem Toyota Produktionssystem gleichgesetzt, ist ein ganzheitlicher Ansatz, der auf den langfristigen Unternehmenserfolg abzielt. Dazu beinhaltet er eine Reihe an Methoden, um Kundenwert zu generieren, Verschwendung und damit Kosten zu senken, über Standards Prozesse zu stabilisieren und flexibel auf Anforderungen reagieren zu können. Diese Ziele werden schrittweise durch kontinuierliches Verbessern und intensiven Einbezug der Mitarbeiter erreicht. Lean steht damit für einfach, kostengünstig, robust, flexibel, verständlich und dezentral [1, 2]. Begriffe, die man selten mit den unternehmensweit eingesetzten Softwarelösungen, wie ERP-Systemen, verbindet. Diese, teils als „Softwaremonster“ bezeichnet, werden eher als komplex, teuer und starr angesehen. Entsprechend wehren sich oft Vertreter der schlanken Produktion gegen eine Unterstützung des Job Floors durch IT, wie ERP-Systeme. Sie erhoffen sich durch den Einsatz von Lean Techniken eher eine Reduktion von IT und eine Erhöhung von Prozesstransparenz und Verringerung des zentralen Planungsaufwand. Wie beispielsweise durch selbststeuernde Produktions- und Beschaffungskreisläufe über Papierkanbankarten oder dezentrale Reihenfolgeplanung über den Schichtleiter. Oder durch ein manuelles anstatt eines systemunterstützten Errechnens von Prozesskennzahlen, wie dem OEE, um ein besseres Verständnis für die Kennzahl zu erreichen. 
Dabei zeigt sich allerdings rasch, dass ein Zurück in die vermeintlich gute alte Papierwelt seine Grenzen hat. Hohe Variantenvielfalt, Materialien mit langen Bestellzeiten, aktuelle Performancedaten für Visual Management und kontinuierliche Verbesserung, eine firmenübergreifende Optimierung der Supply Chain, sie alle würden ohne IT-Unterstützung einen hohen Aufwand erfordern. So hilft IT gerade, die Potentiale von Lean Management weiter zu heben und es lässt sich argumentieren, dass nach dem Fokus auf die Lean Methoden, dem Einführen einer Lean Kultur, in der Zukunft die Digitalisierung von Lean im Mittelpunkt steht [3, 4].

Kluft zwischen Herstellern und Nachfrage
In den vergangenen Jahren haben viele ERP-Hersteller ihre Systeme in Richtung Produktion erweitert und dabei auch Funktionalitäten zur Unterstützung von Lean-Techniken hinzugefügt [5]. Andererseits hat eine 2013 durchgeführte Studie gezeigt, dass von 80 befragten Unternehmen nur vier die vom ERP–Hersteller neu bereitgestellten Lean Funktionalitäten auch genutzt haben [6]. Demgegenüber wurde angegeben, das bestehende ERP-System punktuell selbst zu modifizieren oder Add-ons von Drittanbietern zu verwenden, wenn es um die Lean Unterstützung geht. Auch ist durch das Aufkommen von MES-Lösungen eine eigene Kategorie von Softwareprodukten entstanden, die eine hohe Vielfalt an Lean Unterstützung bietet [7].

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Schlüsselwörter:

ERP-System, Lean Management, Lean ERP, Toyota Produktionssystem