Leitfaden zur Implementierung von Lean Engineering in KMU

Thomas Münster und Julian Schmitz

Dieser Beitrag verdeutlicht die Grundzüge des Lean Engineerings (LE), seine Entstehung, seine Merkmale und seinen Einfluss auf den Produktentstehungsprozess. Des Weiteren wird die Ausgangssituation von LE in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aufgezeigt. Ebenso wird die Bedeutung von KMU für die deutsche Unternehmenslandschaft dargestellt, um im Umkehrschluss das Potenzial aufzuzeigen, das in der Anwendung des Lean Engineerings in diesen besteht. Anschließend erfolgt eine zusammengefasste Definition eines Leitfadens zur Implementierung des LE in kleinen und mittleren Unternehmen, die sich an der VDI-Richtlinie 2870-1 über die Einführung von ganzheitlichen Produktionssystemen orientiert. Im letzten Schritt wird ein kurzes Fazit abgegeben.

Um dem globalen Wettbewerb gewachsen zu sein, ist es für Unternehmen essentiell, ihre Effizienz und Effektivität zu steigern. Der interessierte Blick in den Produktentstehungsprozess zeigt auf, dass in ihm wichtige Parameter für den Unternehmenserfolg gelegt werden, denn bereits in der Designphase erfolgten Festlegungen, die i. d. R. in kürzeren Lebenszyklen, höheren Produktvarianzen und in einer gesteigerten Komplexität der Produkte resultieren. Da mit diesen Faktoren essentieller Einfluss auf den Herstellungsprozess ausgeübt, und somit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil generiert werden kann, ist es sinnvoll, die Kerngedanken von Lean Manufacturing bzw. Lean Engineering umzusetzen. 


Erklärung Lean Engineering 

Lean Engineering stellt in der heutigen Zeit für viele Unternehmen einen wichtigen Erfolgsfaktor dar. Seine Grundprinzipien basieren auf dem so genannten. „Toyota Product Development System“, das in der Nachkriegszeit beim japanischen Autohersteller Toyota entwickelt wurde. Lean Engineering basiert auf der Integration von Prinzipien, Mitarbeitern, Technologien und Werkzeugen, um ein wertiges Produkt für den Kunden zu entwickeln und herzustellen [1]. Hierbei ist es das Ziel, eine möglichst schnelle, wie auch effiziente Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen nach Kundenwunsch zu gewährleisten. Oberste Prämisse dabei ist die Einhaltung der Vorgabe, Produkte von hoher Qualität zu produzieren und dennoch den Einsatz von Kapital zu minimieren sowie möglichst wenige Ressourcen einzusetzen. Bild 1 zeigt die Gestaltungsprinzipien. Des Weiteren gehört dazu die Erstellung und Umsetzung von qualitätssteigernden, verschwendungsfreien Prozessen und Produktdesigns [2], um auf diese Weise unter anderem die Zeit von Erhalt des Auftrages bis zum Start der Produktion zu reduzieren. Durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess soll ein standardisierter und transparenter Produktentstehungsprozess ermöglicht werden, der die Abteilungen der Produktplanung, Entwicklung und Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Serviceplanung betrifft. 

Bild 1: Sieben Gestaltungsprinzipien in Anlehnung an Dombrowski 2015


Bedeutung der KMU 

Um das noch zu hebende Potential durch die Implementierung von Lean Engineering in KMU zu verdeutlichen, lohnt sich ein Blick auf die bedeutende Rolle die diese in der deutschen Unternehmenslandschaft innehaben. Laut einer Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) aus dem Jahre 2016 existieren in Deutschland 3,65 Mio. Unternehmen, von denen nach der Definition des IfM (siehe Tabelle 2) 99,6  % kleine und mittlere Unternehmen sind. Der erwirtschaftete Umsatz dieser lag im Jahre 2014 bei 2.203,95 Mrd. Euro, der einen Anteil vom Gesamtumsatz aller Unternehmen von mehr als einem Drittel (35,3 %) ausmacht. Ebenso als Arbeitgeber spielen KMU eine bedeutende Rolle in der Deutschen Wirtschaft, denn im Jahre 2014 waren mit 16,44 Mio. sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten weit über die Hälfte (58,5 %) in kleinen und mittleren Unternehmen registriert [3]. 

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Schlüsselwörter:

Kleine und mittlere Unternehmen, KMU, Implementierung, Lean Engineering