Lean Project Management
Neue Impulse für das Projektmanagement

Peter Pautsch und Siegfried Steininger

Die verbreitete Unzufriedenheit mit Projektergebnissen hinsichtlich Kosten, Zeit und Qualität führt unweigerlich zur Frage, ob eine Innovation des standardisierten Projektmanagements notwendig ist. Lean Project Management kann zu neuen Impulsen für das veraltete Projektmanagement und somit zu einer wesentlichen Verbesserung der Erfolgschancen führen.

„Lean Management“ ist zu einem Synonym für professionelle Optimierung der Produktion geworden und von dort nicht mehr wegzudenken. Die Planung und Gestaltung künftiger Produktionssysteme ist meist Gegenstand mittlerer und größerer Projekte. Bei diesen Projekten werden häufig Managementmethoden angewendet, die noch nicht oder nur begrenzt den Kriterien eines fortgeschrittenen „Lean Management“ folgen. Deshalb empfiehlt es sich, alle vorbereitenden Projekte sowie die Implementierung neuer Produktionssysteme in gleichem Maße der Lean
Philosophie zu unterwerfen, wie dies bereits in der Produktion selbst anzutreffen ist.

Fast noch wichtiger als bei der Optimierung bestehender Produktionssysteme mittels „lean“
ist in vorbereitenden und bei Implementierungsprojekten für künftige Systeme, dass nicht schablonenhaft vorgegangen wird. Projekte sind fast immer singulär, weshalb auch das Projektmanagement immer auf den spezifischen Fall zugeschnitten sein muss. Lean Project Manager konzentrieren sich deshalb bei jedem neuen Projekt zunächst und in erster Linie auf die Besonderheiten des jeweiligen Projekts und wenden die Prinzipien des Lean Project Management flexibel an, um ein Optimum auch im Projekt zu erreichen.


Prinzipien des Lean Project Management

Eine Beschreibung der Nutzung der Ideen des Lean Management [2] für eine Innovation des weitgehend standardisierten Projektmanagements [3] lässt sich am einfachsten anhand der 12 Prinzipien des Lean Project Management durchführen. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Darstellung des Einsatzes von Lean Project Management in der Produktentwicklung gesetzt. In Bild 1 [1] sind die Prinzipien in einer Übersicht dargestellt. Darin kommt das Lean-Prinzip eines durchgängigen „Wertstromes“ zum Ausdruck.

Bild 1: Prinzipien des Lean Project Management


Integrierte Projektphasen 

Während im standardisierten Projektmanagement im Wesentlichen die Hauptphase des Projekts Gegenstand der aktiven Steuerung ist, werden im Lean Project Management die Vorphase und der Nachphase ebenso aktiv gestaltet. Gerade in der Vorphase, bevor das Projekt startet, werden wichtige Entscheidungen getroffen, welche für den Erfolg maßgeblich sind. Ebenso ist die Nachphase nicht ausschließlich der formale Abschluss des Projekts, sondern diese wird genutzt, um aktives Wissensmanagement zu betreiben und eine Bewertung der Ergebnisse durchzuführen.


Wert des Projektergebnisses 

Die Unterscheidung, welche Aktivitäten und Arbeiten zum Wert des Ergebnisses des Projekts (z. B. ein neu entwickeltes technisches Produkt) beitragen, kann nur dann sinnvollerweise erfolgen, wenn eine klare Vorstellung über diesen Wert besteht. Darüber hinaus verändert sich in fast allen Projekten dieser Wert innerhalb der Laufzeit. Gründe hierfür sind Veränderungen des Marktes durch Wettbewerberangebote oder geänderte Rahmenbedingungen, der Kunde „lernt“ im Verlauf des Projektes und passt seine Vorstellung vom Projektergebnis an oder technische Innovationen führen zu einer Anpassung der Konzeption. Nur, wenn der Wert stets definiert ist, kann Verschwendung (Aktivitäten ohne Wertbeitrag) von Wertschöpfung (Aktivitäten mit Wertbeitrag) unterschieden und erstere aus dem Wertstrom eliminiert werden. Damit werden keine Ressourcen mehr verschwendet (keine Budgetüberschreitung), die Einhaltung des Zeitplanes wird eher erreicht und das Ergebnis entspricht den Vorstellungen des Kunden bzw. des Nutzers.

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