Supply Chain Management-Systeme

Hanna Theuer

Die zunehmende Größe industrieller Netzwerke – insbesondere auch vor dem Hintergrund von streng getakteten Produktionsstrategien wie Just in Time oder Just in Sequence –  erhöht die Komplexität der Lieferkette. Supply Chain Management-Systeme helfen, die Material- und Informationsflüsse zu vernetzen. Sie tragen so zur Koordination entlang der Wertschöpfungskette und damit zur langfristigen Aufrechterhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit der Lieferkette, wie auch der einzelnen Unternehmen bei.

Das Forschungs- und Anwendungszentrum Industrie 4.0 an der Universität Potsdam führte einen Marktüberblick zum Thema „Supply Chain Management-Systeme“ durch. Hierzu wurden Anwender im deutschsprachigen Raum angesprochen. Insgesamt sind Antworten zu neun Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend in Form einer qualitativen als auch quantitativen Auswertung der Schwerpunktbereiche zusammengefasst.

Um der hohen Komplexität von Supply Chains adäquat begegnen zu können, müssen verschiedene Aufgabenbereiche integriert betrachtet werden. SCM-Systeme unterteilen die Aufgaben in verschiedene Module, wobei sieben Hauptmodule unterschieden werden:

  • Demand Capacity Planning
  • Sales and Operations Planing
  • Supply Chain Collaboration
  • Supply Chain Execution
  • Supply Chain Monitoring
  • Supply Chain Planning
  • Supplier Relationship Management

Im Rahmen der Befragung haben die Teilnehmenden angegeben, in welchen Modulen sie Funktionen anbieten. Im Weiteren wurden diese dann in Funktionen detailliert erfasst. Bild 1 zeigt die absoluten Nennungen der Module. 

Bild 1: Anzahl der Nennungen der SCM-Module


Technologische Eigenschaften

Für die Integration des SCM-Systems mit anderen – unternehmensinternen oder -externen – betrieblichen Anwendungssystemen sind Schnittstellen notwendig. Weiter ist die Art und Weise der Aufbereitung  und Zurverfügungstellung der Daten für die Nutzer relevant. Im Rahmen dieses Marktüberblicks wurden die Teilnehmenden gebeten anzugeben, welche technologischen Eigenschaften ihre Lösungen haben. Dafür wurden 13 Eigenschaften aufgeführt. Sieben der Systeme bieten die Möglichkeit, die Inhalte auf einer für mobile Geräte angepassten Webseite darzustellen, eine App für mobile Geräte bieten sechs Lösungen an. Ebenfalls sieben Mal wurden Kommunikationsfunktionen (z. B. E-Mail) und die Möglichkeit des Exports/Imports von XML-Dateien angegeben. Electronic Data Interchange (EDI) ermöglicht den Datenaustausch und wird von vier der teilnehmenden Systeme angeboten. Die Verfolgung von Sendungen/Lieferungen mittels RFID bzw. die Integration von Geoinformationen wird von drei Systemen ermöglicht. 

Auszug aus der Marktübersicht


Nachhaltiges SCM

Die Berücksichtigung von Ressourceneffizienz und nachhaltigen Prozessen nimmt auch in Lieferketten eine wichtige Rolle ein, weshalb dem nachhaltigen Supply Chain Management (Sustanable Supply Chain Management, SSCM) eine steigende Bedeutung zukommt. Treiber sind unter anderem das Management von Geschäftsrisiken. Darunter fallen neben der Erfüllung rechtlicher Rahmenbedingungen, dem Schutz und der Reputation des Markennamens auch die Minderung von Betriebsstörungen durch ESG (Environment Social Govern-
ance)-Einflüsse sowie verbesserte Realisierungsmöglichkeiten von Leistungspotenzialen, insbesondere der Reduktion von Kosten bei Materialeinsatz, Energie und Transport sowie der Aufdeckung von Engpässen entlang der Lieferkette und die Erzeugung nachhaltiger Produkte, um umfangreiche Kunden- und Lieferantenansprüche zu erfüllen und Stakeholder-Bedürfnisse zu befriedigen [1]. Die an dem Marktüberblick teilnehmenden Softwareanwendungen berücksichtigen verschiedene Aspekte des SSCM. So können beispielsweise eine optimale Anlagenauslastung und minimierte Rüstzeiten unter Bedingungen wie dem Energieverbrauch, Abgas- und Abwasserlasten oder Ausschuss bestimmt werden. Auch die lückenlose Darstellung der gesamten Lieferketten inkl. der Bereitstellung relevanter Kennzahlen (u. a. Lieferantenbewertungen, CO2 Footprint-Bilanzierung) sowie eine lückenlose Rückverfolgung aller Rohstoffe und Komponenten können die Nachhaltigkeit der Lieferkette erhöhen.


Schlankes SCM

In schlanken Prozessen sollen nur wertschöpfende Prozesse vorhanden sein, alle nicht wertschöpfenden Prozesse und Tätigkeiten – als Verschwendung bezeichnet – sollen eliminiert werden. Einige der teilnehmenden Systeme bieten Möglichkeiten zur Automatisierung und Standardisierung von Prozessen sowie die Verwendung nutzerdefinierter Worksflows. Dadurch können insbesondere sich automatisiertere und sich wiederholende Tätigkeiten und Aufwände für das Suchen von benötigten Daten verringert werden. Vom System erstellte Prozessanalysen sowie die zur Verfügungstellung relevanter Kennzahlen, bieten die Grundlage für die Analyse und eine darauf aufbauende Verbesserung von Prozessen. Für die Materialbereitstellung, als einen Teilbereich der Supply Chain, können im System abgebildete Funktionen wie eKanban und Pull weitere Potenziale heben. 


Herausforderungen

Eine wesentliche Herausforderung, welcher sich die Anbieter von SCM-Lösungen gegenübergestellt sehen, ist die vollständige Integration aller Partner der Wertschöpfungskette, um so übergreifende Potenziale u. a. in der Steuerung und Kontrolle international vernetzter Einkaufs-, Produktions- und Logistikprozesse nutzen zu können. Auch die Integration zu Plattformen und Collaboration-Tools wird als relevant beschrieben. Weiterhin wurde die Beherrschbarkeit der in der Supply Chain entstehenden Informationsflut, die Beschleunigung des digitalen Datenaustausches, die Verkürzung der Reaktionszeiten in der Supply Chain, die Automatisierung von Prozessen und die durchgängige Rückverfolgbarkeit von Produkten genannt.

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Schlüsselwörter:

Marktüberblick, Supply Chain Management, Lieferketten, SCM

Literatur:

[1] Ganse, J.; Florian Werhahn, F. und Gschmack, S.: Nachhaltigkeit im Supply Chain Management, abrufbar unter https://www.kpmg.de/docs/KPMG_Artikel_GanseWerhahn_SSCM_in_deutschen_Unt..., 2012.