Sensoren verändern die Logistik

Götz-Andreas Kemmner

Das Internet of Things beginnt sich auszubreiten und konkretere Gestalt anzunehmen. Die meisten von uns haben schon erste Erfahrungen mit Smart Home gemacht. Mit ein paar Sensoren, Schaltern und etwas Entscheidungslogik kann man Beschattungs- und Beleuchtungsprozesse im Haus automatisieren, Temperaturen, Energieverbrauch und das Haus auf Eindringlinge überwachen. Manches davon ging auch früher schon, doch war es aufwändiger und teurer zu realisieren.

Was im smarten Heim funktioniert, funktioniert auch in der smarten Produktion und in der smarten Materialwirtschaft. Dort sind die erforderlichen finanziellen Sprünge zuweilen allerdings noch deutlich größer. Tracking und Tracing sind heute schon Standard für jeden Online-Kunden. Das funktioniert auch heute bereits ohne Sensoren, indem eine Sendung an verschiedenen Stellen in der Transportkette gescannt wird. Bei einigen Paketdiensten kann man aber schon den nahenden Wagen auf der Straßenkarte nachverfolgen. Die Information kommt in diesem Falle aus dem Standortsignal des Transporters.
Doch was im Kleinen funktioniert, klappt auch bei großen Distanzen, indem man Pakete oder Container mit LPWAN-Sensoren versieht. LPWAN steht für Low Power Wide Area Network. Darunter versteht man eine Funktechnologie, die weite Entfernungen mit wenig Energie überbrücken kann. Dafür werden schmalbandige Nachrichten im niedrigen Frequenzbereich unter 1GHz versandt. Das führt bei den Sendern zu einem geringen Energieverbrauch und langer Lebensdauer eines batteriebetriebenen Sensors. Es kann jedoch nur eine geringe Informationsmenge übertragen werden; dafür ist die Technik auch wiederum relativ billig.
Gerade in der Logistik sind dies ideale Voraussetzungen für den Einsatz von Sensoren, die nicht nur Positionsdaten über weite Entfernungen melden können, sondern auch Erschütterungen, Feuchtigkeit, falsche Transportlagen oder sonstige „Systemzustände“ um sich herum, z. B., dass ein Behälter oder ein Regalfach leer ist. Bei vielen Einsatzfällen reichen kurze Informationen, die nur einmal oder wenige Male pro Tag gesendet werden, vollkommen aus.
Selbst im internationalen Transport können so Probleme eines Transportgutes bereits unterwegs und unabhängig von Frachtführer erkannt werden. In kritischen Fällen lässt sich auf diese Weise schon für ein beschädigtes oder verdorbenes Frachtgut Ersatz auf den Weg bringen, ehe es überhaupt beim Kunden angekommen ist.
Ein weiterer Vorteil dieser Technologie besteht darin, dass sie relativ unempfindlich ist gegen Abschottung durch Metallregale oder Wände und damit auch dort Signale zuverlässig übertragen kann, wo klassische Funktechnik mit viel Aufwand installiert werden muss. Damit kann z. B. auch eine Ultraschall-Füllstandsmessung einfach installiert werden, wobei es Lösungen gibt, die laut Hersteller bei 15 km Übertragungsreichweite mit einer Akkuladung 14 Jahre durchhalten können. Lösungen sind also da und mit ihnen können sich auch Kundenangebote und damit Lieferbereitschaftsanforderungen und Dispositionsaufgaben durchaus verändern. Wir freuen uns auf die kommenden Aufgabenstellungen unserer Kunden, die aus neuen Businessmodellen entstehen werden und bei denen wir dann beispielsweise Transportlogistik- oder Verbrauchsdaten von LPWAN-Sensoren für dispositive Aufgaben auswerten und bewerten sollen.